Ein Kind mit fröhlichem Gesichtsausdruck rennt aus einem Durchgang in Richtung eines Regenbogens.
Unser Ratgeber zu Autismus

Vom „Asperger-Syndrom“ zum Autismus-Spektrum: ein Begriff im Wandel

Was aus Hans Asperger wurde, warum der Begriff „Asperger-Syndrom“ heute kaum noch verwendet wird – und wie das Autismus-Spektrum ihn abgelöst hat.

Lange Zeit wurde „Asperger-Autismus“ als eigene Diagnose verwendet, benannt nach dem Wiener Kinderarzt Hans Asperger. Heute taucht sein Name kaum noch auf – weder in Preisen noch in Straßenbenennungen. Der Grund: Bei näherer Forschung kamen unschöne Details seiner Biografie ans Licht, unter anderem seine Rolle im nationalsozialistischen Wien. Das ist einer der Gründe, warum der Begriff aus der Fachwelt weitgehend verschwunden ist – ein anderer, ebenso wichtiger Grund liegt in der Wissenschaft selbst.

Warum das Autismus-Spektrum den Begriff „Asperger“ abgelöst hat

In der Wissenschaft spricht man inzwischen ohnehin vom Autismus-Spektrum – nicht, weil es „moderner“ klingt, sondern weil es präziser ist. Frühere Klassifikationen unterschieden zwischen „frühkindlichem Autismus“, „Asperger-Syndrom“ und weiteren Unterformen. In der Praxis erwiesen sich diese Grenzen jedoch als unscharf: Viele Betroffene ließen sich nicht eindeutig einer Kategorie zuordnen. Autismus zeigt sich in einer großen Vielfalt an Ausprägungen – von still und zurückgezogen bis hin zu hochkommunikativ und kreativ. Kein starres Entweder-Oder, sondern eine breite Vielfalt, die das Bild vom Spektrum heute deutlich besser abbildet.

Was das für die Diagnostik heute bedeutet

Aktuelle Diagnosesysteme wie ICD-11 fassen die früheren Unterkategorien deshalb unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung zusammen und beschreiben stattdessen den individuellen Unterstützungsbedarf – etwa im Bereich Sprache oder kognitive Fähigkeiten. Für Familien bedeutet das: Eine frühere „Asperger“-Diagnose ist nicht falsch geworden, sie wird heute nur anders eingeordnet, nämlich als Teil des größeren Autismus-Spektrums, oft mit gutem sprachlichen und kognitivem Vermögen bei gleichzeitig deutlichem Unterstützungsbedarf in sozialer Kommunikation und Flexibilität.

Eine interessante Parallele: Wissenschaft und Autismus

Wer an Wissenschaftler:innen denkt, hat oft Klischees im Kopf: Bücherstapel, Messgeräte, Tabellen. Und tatsächlich zeigt sich hier eine interessante Parallele: Auch viele Autist:innen haben ein tiefes Interesse an Details, lieben klare Strukturen und tauchen mit großer Begeisterung in bestimmte Themen ein. Diese Stärken sind ein Grund, warum eine gute Autismustherapie nie nur auf Defizite schaut, sondern gezielt an vorhandenen Interessen und Fähigkeiten ansetzt.

Der nächste Schritt

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