Wenn in der Gesellschaft über Autismus gesprochen wird, tauchen oft große Namen auf wie Albert Einstein oder Bill Gates – Autist*innen wirken dann irgendwie nützlich, rätselhaft und manchmal fast mystisch. In der Popkultur begegnet uns dieses Bild etwa in der Figur Sheldon Cooper aus „Big Bang Theory“: hochintelligent, sonderbar, aber liebenswert genug für eine WG. Das ist die Brille unserer neurotypischen Mitmenschen – ein bisschen eigen, aber liebenswert.

Wie Autismus wahrgenommen wird – von außen und von innen
Zwischen Klischee und Wirklichkeit liegt oft ein weiter Weg: Wie Gesellschaft, Eltern und Medien Autismus sehen – und wie Autist*innen sich selbst erleben.
Wie Eltern Autismus oft wahrnehmen
Eltern neigen oft dazu, Autismus zu verharmlosen oder zu dramatisieren – je nach Situation schwankt es zwischen Stolz („Mein Kind ist bestimmt hochbegabt!“) und Sorge („Es könnte ruhig mal öfter rausgehen.“). Gerade bei früher sogenannten „Asperger-Kindern“ hoffen Eltern oft, dass sich das Ganze schon positiv entwickeln wird – mal mit, mal ohne realistische Grundlage. Beides ist menschlich verständlich, hilft dem Kind aber weniger als ein nüchterner Blick auf den tatsächlichen Unterstützungsbedarf.
Das Bild der Medien: sachlich, distanziert, oft falsch
Lange Zeit prägte ein anderes Klischee das Bild: Autistinnen und Autisten seien nicht sozial. Ein bekanntes Beispiel ist die Figur Mr. Spock aus „Star Trek“: sachlich, nüchtern, kaum Interesse an Gefühlen – so stellen die Medien Autismus gern dar. Das Problem: Dieses Bild stimmt so nicht. Autistinnen und Autisten sind sehr wohl sozial, nur eben anders. Wer mit ihnen über ihr Lieblingsthema spricht, erlebt oft eine sprudelnde, begeisterte und äußerst intensive Form der Kommunikation – nur eben nicht die „neurotypische Standardvariante“.
Wie Autist:innen sich selbst erleben
Viele Autistinnen und Autisten beschreiben irgendwann das Gefühl, „auf dem falschen Planeten“ gelandet zu sein. Dieses Empfinden ist nicht ungewöhnlich, wenn man dauerhaft überfordert ist oder sich nicht verstanden fühlt. In Comics und Kunst taucht dieses Motiv häufig auf, als Ausdruck einer gewissen Fremdheit. Gleichzeitig kann es auch in kreative Richtungen führen: in Rollenspiele, Fantasy-Welten oder Comics, wo neue Räume der Begegnung entstehen.
Wie Autist:innen wirklich sind
Am Ende bleibt etwas sehr Einfaches: Autistinnen und Autisten sind Menschen wie alle anderen, nur mit einer anderen Wahrnehmung. Sie sind Köch:innen, Mütter und Väter, Kindergärtner:innen, Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und vieles mehr. Autismus ist viel häufiger verbreitet, als viele glauben, oft auch ohne Diagnose. Und gerade deshalb ist es wichtig, die Vielfalt wahrzunehmen, ohne sie vorschnell auf ein Klischee zu reduzieren – weder auf das geniale Vorbild noch auf den sozial distanzierten Sonderling.
Der nächste Schritt
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